hg_li

Internationales Frauen-Hallenfußball-Turnier
um den Pokal der Sparkasse Bielefeld
16. und 17. Januar 2010

spk_re


FCR 2001 Duisburg verteidigt eindrucksvoll den Titel
Zehn Tore im Finale - was will man mehr? Die meisten Zuschauer von „Weltklasse 2009“ hätten sich allerdings gewünscht, dass diese Tore noch gleichmäßiger verteilt gewesen wären. Doch der 7:3-Erfolg des FCR 2001 Duisburg über den norwegischen Spitzenklub Stabæk FK war ein eindrucksvoller Beweis der Ausnahmestellung des Klubs aus dem Westen im europäischen Frauenfußball. Der Titelverteidiger gab sich beim 30. Internationalen Frauen-Hallenfußball-Turnier um den Pokal der Sparkasse Bielefeld am 17. und 18. Januar 2009 kaum eine Blöße.

 

Seine wohl größte Schwäche offenbarte sich schon am ersten Turniertag. Als die Verantwortlichen des FCR nämlich feststellten, dass sie den im Vorjahr erstmals errungenen Wanderpokal zu Hause vergessen hatten. Doch das Problem ließ sich mit Hilfe eines Fan-Kuriers bis zur Siegerehrung am Sonntag noch lösen, sodass die Duisburgerinnen den Pokal am Ende in die Luft stemmen und wieder mit zurück an den Rhein nehmen konnten.

7:3, das war deutlich, wenngleich die Norwegerinnen nach frühem Rückstand nie aufgaben und bis zum Schluss alles taten, um immer wieder zu verkürzen. „Ausgerechnet das Finale war unser schlechtestes Spiel“, ärgerte sich Stabæks Lise Klaveness, die von den Trainern zur besten Spielerin des Turniers gewählt wurde. Seit Sommer 2009 gehört sie auch wieder zur Stammformation der norwegischen Nationalmannschaft.

Schon in der Vorrunde waren beide Mannschaften zweimal aufeinandergetroffen und hatten sich noch am Sonntagmorgen das wohl bislang hochklassigste Duell in der Geschichte des Turniers geliefert - Endstand 1:1. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen vor dem Wiedersehen im Finale. Aber dort lief fast alles für die Duisburgerinnen. Eine Frage der Kondition? „Nein“, versicherten die Norwegerinnen einmütig, „wir müssen einfach anerkennen, dass der FCR im Endspiel so stark gespielt hat, dass wir keine Chance hatten.“

Selbstkritik und Anerkennung der Gegner beherrschten auch die Gemütslage der anderen Turnierfavoriten. Die Zeiten, in denen schon das Erreichen des Halbfinals als Erfolg gewertet wird, sind längst vorbei. Nahezu jeder Teilnehmer des Jöllenbecker Weltklasse-Turniers hat sich den Titel als Ziel gesetzt. Dementsprechend groß war zwangsläufig die Enttäuschung bei all denen, die es diesmal nicht geschafft hatten. Zum Beispiel beim 1. FFC Turbine Potsdam. Der starke Bundesligist, der in Jennifer Zietz eine überragende Akteurin und in der Schweizerin Gaelle Thalmann eine herausragende Torhüterin hatte, patzte ausgerechnet im letzten Gruppenspiel gegen Zweitligist FC Gütersloh 2000. Durch diese 0:1-Niederlage mussten die Brandenburgerinnen als Gruppenzweite bereits im Halbfinale gegen den FCR Duisburg antreten. Am Ende sicherten sich die Turbinen immerhin Rang drei - ihr Minimalziel - durch einen Erfolg  über den damaligen Tabellenführer der dänischen Liga, Fortuna Hjørring.

Den Däninnen fehlte an beiden Turniertagen eine echte Torjägerin, wie ihr Weltstar Portia Modise. Doch die Südafrikanerin hatte sich wenige Tage zuvor bei einem Autounfall am Knie verletzt und fehlte in Jöllenbeck deshalb ebenso wie Fortuna-Cheftrainer Flemming Nielsen, der kurzfristig als Repräsentant des Klubs zur weltgrößten Frauenfußballmesse nach St. Louis in die USA reisen musste. „Wir haben gut gespielt“, fand Fortuna-Kapitänin Camilla Sand, „aber man muss ehrlich sagen, dass drei Mannschaften vor uns noch besser waren.“ Dafür durften die Norddäninnen den Preis für die beste Torhüterin mit nach Hause nehmen, denn der ging an die alles überragende dänische Nationaltorhüterin Heidi Johansen.

Die beiden anderen ausländischen Vertreter, Odense BK aus Dänemark und Kopparbergs/Göteborg FC aus Schweden, schwärmten von dem Turnier in höchsten Tönen, um im selben Atemzug mit ihrem Schicksal zu hadern. So mussten die Schwedinnen mit einem dezimierten Kader antreten, weil zwei ihrer Akteurinnen bereits daheim am Flughafen „gescheitert“ waren, darunter keine Geringere als Schwedens Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl und dazu Amelie Rybeck, die 2010 wohl für Olympique Lyon spielen wird. Beide hatten ihre Reisepässe zu Hause liegen lassen und wurden deshalb nicht ins Flugzeug gelassen. Lindahls Vertreterin Sussie Nilsson, immerhin U 19-Nationalspielerin, überzeugte jedoch mit tollen Paraden, so dass Göteborg zumindest den fünften Platz erreichte. Eine Mannschaft, die in der Defensive zu den stärksten gehörte, vorne jedoch zu wenig Tore erzielte. Was nicht zuletzt auch daran lag, dass Nationalstürmerin Johanna Almgren wegen eines bereits vor dem Turnier angebrochenen Zehs von der Bank aus zusehen musste.

Noch härter traf es Odense BK. Sie zeigten in der Offensive dank Brasiliens Weltstar Renata Costa, Dänemarks Rekord-Torschützin Merete Pedersen und U 17-Star Katrine Veje teilweise wunderschöne Kombinationen, wurden aber immer wieder von den gegnerischen  Sturmreihen überrollt. Denn im Gegensatz zu den Schwedinnen hatten sie den Ausfall ihrer Stammtorhüterin nicht kompensieren können. Eigentlich hatten sich die Däninnen extra für das Turnier eine Top-Torhüterin aus Schweden ausgeliehen. Doch die erkrankte einen Tag vor der Abreise. Dank der Nachbarschaftshilfe von Fortuna Hjørring stand deshalb Line Godtfredsen zwischen den Pfosten, doch die Ersatztorhüterin von Fortunas Reserve aus der dritten dänischen Liga war mit dem Niveau des Turniers (noch) überfordert. Und gerade in der Halle ist die Torwartposition von mitentscheidender Bedeutung. Als wäre das nicht genug, hatte auch Trainer Erling Thomsen wegen eines plötzlichen Krankheitsfalls in der Familie die Reise nach Deutschland nicht mit antreten können.

Unzufrieden zeigte sich auch Björn Kenter, Trainer des Turnier-Rückkehrers Herforder SV. „Dass wir ausgerechnet im Platzierungsspiel gegen unseren Lokalrivalen FC Gütersloh 2000 verloren haben, das ärgert mich schon.“ Denn dadurch landete der Erstligist am Ende nur auf Platz sieben, während der am ersten Turniertag noch punktlose Zweitligist Gütersloh es wieder einmal geschafft hatte, sich am zweiten Tag zu steigern und zwei höher eingeschätzte Vereine hinter sich lies. Außerdem musste Herford am Sonntag auf seinen Star, Doppel-Weltmeisterin Kerstin Stegemann verzichten, die sich am Vorabend zu Hause bei einer unglücklichen Bewegung am Knie verletzt hatte.

Nichtsdestotrotz kamen die über 2.000 Zuschauer in der Sporthalle der Realschule Jöllenbeck wieder einmal voll auf ihre Kosten. Sie erlebten zwei Tage lang Frauenfußball auf allerhöchstem Niveau, sahen Stars aus aller Welt hautnah und durften Zeuge der kuriosesten Preisverleihung der Turniergeschichte sein. Denn gleich fünf Spielerinnen landeten mit jeweils fünf Toren auf Platz eins der Torschützenliste. Ein Glücksfall für die Organisatoren war, dass sich die fünf auf nur zwei Vereine verteilten, so dass jeder der beiden Klubs stellvertretend für seine Torjägerinnen je eine Torkanone als Trophäe mit nach Hause nehmen konnte.

Auch wenn nicht alle mit sich selbst zufrieden waren, in einer Hinsicht waren sich wirklich alle teilnehmenden Vereine einig. „Wir wollen unbedingt wiederkommen, auch, um den Leuten zu beweisen, dass wir noch besser spielen können.“ Ein Satz, der am Sonntagabend gleich von mehreren Trainern zu hören war. Für Stabæks norwegische Nationalspielerin Trine Rønning gibt es keinerlei Zweifel: „Dies ist das beste Frauenfußballturnier der Welt. Mir hat zwar mein angeschlagenes Knie etwas wehgetan, aber das ist egal. Hier muss man einfach dabei sein!“